Alle Kassenleistungen der Zahnmedizin im Überblick

Stand:

Für viele Patienten endet der Besuch beim Zahnarzt mit dem Griff in den eigenen Geldbeutel. Hier erhalten Sie einen kurzen Überblick über die wichtigsten Kassenleistungen bei verschiedenen zahnärztlichen Behandlungen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Trotz vieler Einschränkungen gibt es von der Zahnsteinentfernung bis zur Kieferorthopädie viele Leistungen, die teilweise oder ganz von den gesetzlichen Kassen bezahlt werden.
  • Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen das, was medizinisch notwendig ist. Kostenpflichtige Zusatzangebote beinhalten oft nur einen ästhetischen Mehrwert und weniger einen zusätzlichen medizinischen Nutzen.
  • Einige Kassenleistungen müssen vor Behandlungsbeginn bei der Krankenkasse schriftlich beantragt werden.
Patientin zeigt ihre Krankenversichertenkarte vor
On

Zahnvorsorge

Für Erwachsene bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen zwei zahnärztliche Kontrolluntersuchungen im Jahr und eine Zahnsteinentfernung, d.h. die Entfernung harter und weicher Zahnbeläge. Alle zwei Jahre übernehmen die Krankenkassen die Kosten einer Früherkennung von Parodontitis.

Viele Krankenkassen beteiligten sich zudem mit Zuschüssen an der kostenpflichtigen Professionellen Zahnreinigung.

Bei Kindern zwischen dem 6. und 18. Lebensjahr werden zwei zahnärztliche Kontrolluntersuchungen bezahlt sowie eine kariesprophylaktische Auffüllung von Zahnfurchen (Fissuren Versiegelung) der beiden bleibenden Backenzähne vor den Weisheitszähnen. Zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen. Die erste Untersuchung findet ab dem 34. Lebensmonat statt und die anderen beiden Untersuchungen bis zum Ende des 6. Lebensjahres. Zwischen den einzelnen Untersuchungen müssen mindestens 12 Monate liegen. Außerdem haben Kinder bei hohem Kariesrisiko Anspruch auf Fluoridierung.

Seit 1. Juli 2019 gibt es neue gesetzliche Leistungen zur Vermeidung von Karies bei Kleinkindern. Demnach haben Kleinkinder zwischen dem 6. und 34. Lebensmonat Anspruch auf drei Früherkennungsuntersuchungen. Die Untersuchungen sind zeitlich auf die U-Untersuchungen abgestimmt, allerdings müssen zwischen den einzelnen Untersuchungen mindestens 4 Monate liegen. Weiterhin besteht zweimal je Kalenderhalbjahr Anspruch auf Fluoridierung zur Zahnschmelzerhärtung.

Die Wahrnehmung der Vorsorgeuntersuchung kann in ein Bonusheft eingetragen werden. Bei Kindern und Jugendlichen sind im Rahmen der Individualprophylaxe zwei Stempel pro Jahr nötig, bei Erwachsenen wenigstens ein Stempel pro Jahr. Dieses kann später finanzielle Vorteile bieten, wenn es um die Zuschüsse zum Zahnersatz geht.

Mehr Infos: Welche Vorsorge zahlt die Krankenkasse?

Zahnfüllungen

Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten im Frontzahnbereich (Schneide- und Eckzähne) sogenannte Komposit-Füllungen aus zahnfarbenem Kunststoff. Im Seitenzahnbereich haben schwangere und stillende Frauen sowie gesetzlich Krankenversicherte mit einer Amalgam-Allergie, Patienten mit einer schweren Niereninsuffizienz und Kinder bis zur Vollendung des 15. Lebensjahres Anspruch auf eine kostenlose Kunststofffüllung.

Selbst wenn sich Patienten für eine kostenpflichtige Füllung entscheiden, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen immer noch die Kosten der gesetzlichen Alternative, d.h. der Patient muss lediglich die Differenz zwischen zuzahlungsfreier Kassenvariante und kostenpflichtigen Leistung zahlen. In diesem Fall wird dann eine Mehrkostenvereinbarung abgeschlossen.

Bei Mängeln an den Füllungen, an denen der Patient keine Schuld trägt, übernehmen die gesetzlichen Kassen eine zweijährige Gewährleistungsfrist. Der Zahnarzt muss den Fehler kostenlos nachbessern oder eine komplett neue Füllung einsetzen.

Mehr Infos: Karies - was zahlt die Krankenkasse?

Wurzelbehandlungen

Zum Leistungsumfang der Krankenkasse gehört die Wurzelbehandlung als auch die Entfernung von Wurzelspitzen (Resektion) im Front- und Seitenzahnbereich, sofern der betroffene Zahn als erhaltungswürdig eingestuft wird. Das Reinigen, Befüllen und Verschließen der Wurzelkanäle sind erstattungsfähige Leistungen einer Wurzelkanalbehandlung.

In der Regel muss gegeben sein, dass die Wurzelkanäle bis bzw. bis nahe an die Wurzelspitze aufbereitet und gefüllt werden können. Bei den hinteren Seitenzähnen ist eine Wurzelbehandlung dann Kassenleistung, wenn eine geschlossene Zahnreihe erhalten werden kann, wenn die Behandlung verhindert, dass eine Zahnreihe einseitig nach hinten verkürzt wird oder wenn ein bereits vorhandener Zahnersatz erhalten werden kann. Die Details sind in der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses für die vertragszahnärztliche Versorgung geregelt.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Wurzelkanalbehandlung ist, dass der Wurzelkanal vor der eigentlichen Behandlung exakt vermessen wird. Die Standardmethode, die von den Kassen bezahlt wird, ist die Bestimmung der Länge anhand von Röntgenaufnahmen.

Mehr Infos: Wurzelbehandlung - was zahlt die Krankenkasse?

Behandlung von Parodontitis

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten, wenn eine behandlungsbedürftige Parodontitis vorliegt. Das bedeutet, dass eine Zahnfleischtaschentiefe von 4,0 mm oder mehr besteht. Vor Behandlungsbeginn ist ein schriftlicher Antrag an die Krankenkasse zu richten. Hierzu erstellt der Zahnarzt oder die Zahnärztin einen Heil- und Kostenplan, den der Patient oder die Patientin zur Prüfung und Genehmigung bei der Krankenkasse einreicht. Bislang mussten von Parodontitis Betroffene die Vor- und Nachbehandlung selbst bezahlen. Das ist nun anders, denn seit dem 1. Juli 2021 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bei einer diagnostizierten Parodontitis nicht nur die Akutbehandlung, sondern auch eine umfangreiche Nachsorge, zu der auch die Reinigung aller Zähne gehört.

Versicherte können zukünftig für den Zeitraum von zwei Jahren nach Abschluss einer aktiven Behandlung eine Nachsorge in Anspruch nehmen ("Unterstützende Parodontitistherapie" genannt). Unter bestimmten Voraussetzungen kann diese nochmals um sechs Monate verlängert werden. (https://www.kzbv.de/pressemitteilung-vom-17-12-2020.1469.de.html)

Mehr Infos: Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse bei Parodontitis-Behandlungen?

Behandlung von Zahnfehlstellungen (Kieferorthopädie)

Bei Kindern bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres prüfen Kieferorthopäd:innen anhand von fünf kieferorthopädischen Indikationsgruppen, kurz KIG, die Schwere der Zahnfehlstellung. Ab KIG 3 tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Behandlung. Zum konkreten Leistungsumfang gehört je nach Bedarfsfall entweder eine herausnehmbare Spange aus Kunststoff mit Metallbügeln oder eine feste Spange mit Edelstahl-Brackets.

Bei Erwachsenen wird eine kieferorthopädische Behandlung nur bei schweren Kieferfehlstellungen übernommen, die zusätzlich auch kieferchirurgisch behandelt werden müssen.

Bei Kindern müssen die Eltern zunächst 20% der Kosten der gesetzlichen Behandlung selbst bezahlen, bekommen diese aber nach Abschluss der Behandlung erstattet. Sind zwei oder mehrere Kinder gleichzeitig in kieferorthopädischer Behandlung, müssen die Eltern lediglich mit 10% in Vorleistung treten.

Mehr Infos: Kieferorthopädie, was zahlt die Krankenkasse?

Zahnersatz

Bei Zahnersatz gelten andere Regeln als in der übrigen Zahnversorgung.

Die Krankenkasse beteiligt sich an der Zahnersatzbehandlung mit einem sogenannten Festzuschuss. Ausgangspunkt für den Zuschuss ist das Untersuchungsergebnis, der sogenannte Befund. Für jeden Befund ist eine Regelversorgung (Standardtherapie) als medizinisch notwendig definiert. Von den Kosten dieser Regelversorgung trägt die Krankenkasse 60 %, auch als Festzuschuss bezeichnet. Den Rest der Kosten hat der Patient zu übernehmen (Ausnahme: siehe Härtefallregelung).

Die Höhe der Kosten ist auch davon abhängig, ob die jährlichen Kontrolluntersuchungen im Bonusheft nachzuweisen sind. Ist 5 Jahre lang jährlich einmal eine Kontrolluntersuchung durchgeführt worden, erhöht sich der Zuschuss von der Krankenkasse auf 70 %. Können 10 Jahre nachgewiesen werden, erhöht sich der Zuschuss auf 75 %. Ist eine Krone oder Brücke im Seitenzahnbereich nötig, ist z.B. Nicht-Edelmetall die Regelversorgung.

Mehr Infos: Eigenanteil und Festzuschuss beim Zahnersatz.

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz BMJV