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Zahnvorsorge für Kinder, Schwangere und Pflegebedürftige

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine spezielle Vorsorge für Schwangere zahlen die gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich nicht.
  • Für Kinder zwischen drei und sechs Jahren gibt es drei kostenlose Vorsorgeuntersuchungen. Zwischen sechs und 18 Jahren können Kinder und Jugendliche jedes halbe Jahr zum Zahnarzt gehen.
  • Pflegebedürftige haben einen Anspruch auf eine aufsuchende zahnmedizinische Betreuung, und zwar zu Hause und im Pflegeheim. Wer in die Praxis muss, erhält einen Fahrtkostenzuschuss.
Junge bei Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt
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Was können Schwangere in Anspruch nehmen?

Während einer Schwangerschaft ist das Zahnfleisch stärker durchblutet, es wird weicher und damit anfälliger für bakterielle Entzündungen. Zudem kann Säure bei Übelkeit und Erbrechen den Zahnschmelz angreifen, und Heißhungerattacken können das Karies-Risiko erhöhen. Deshalb wird schwangeren Frauen ein Kontrolltermin möglichst zu Beginn der Schwangerschaft empfohlen.

Eine besondere Kontrolluntersuchung für Schwangere ist nicht Kassenleistung. Frauen können dies aber innerhalb der normalen Untersuchungen in Anspruch nehmen, die zweimal pro Jahr von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden.

Größere Behandlungen sollten im weiteren Verlauf der Schwangerschaft nur gemacht werden, wenn sie dringend notwendig sind. Röntgenuntersuchungen sollten vermieden werden.

Einige Zahnärzte empfehlen Schwangeren spezielle Prophylaxemaßnahmen, etwa eine professionelle Zahnreinigung oder einen Plaquetest, der zeigt, an welchen Stellen die Mundhygiene verbessert werden sollte. Beides muss aber selbst bezahlt werden. Manche Krankenkassen bieten schwangeren Versicherten eine eigene Zahnvorsorgeuntersuchung an.

Welche Untersuchungen gibt es für Kinder?

Vom 30. bis 72. Lebensmonat, also zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr, übernehmen die Krankenkassen die Kosten für drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen (Abstand jeweils mindestens zwölf Monate). Diese Untersuchungen können im zahnärztlichen Kinderpass eingetragen werden. Für Schulkinder ist dann die sogenannte Individualprophylaxe Kassenleistung: Bis zum 18. Lebensjahr können die Kinder und Jugendlichen jedes halbe Jahr zur Kontrolle gehen. Der Zahnarzt überprüft, ob sich Beläge oder Zahnstein auf den Zähnen gebildet haben, untersucht, ob das Zahnfleisch gesund ist und gibt Tipps zur richtigen Ernährung und Zahnpflege. Bei Bedarf kann der Zahnarzt die beiden bleibenden Backenzähne vor den Weisheitszähnen versiegeln. Kinder mit hohem Kariesrisiko können außerdem zweimal im Jahr mit Fluoridlack behandelt werden. Auch dies ist gesetzliche Kassenleistung.

Ab dem 12. Lebensjahr können die halbjährlichen Untersuchungen in das Bonusheft eingetragen werden als Nachweis der Zahnpflege. Damit erhöhen sich später die Zuschüsse, falls einmal Zahnersatz nötig sein sollte.

Einzelne Krankenkassen haben regionale Verträge abgeschlossen und bieten teilweise Früherkennungsuntersuchungen und Fluoridierungen schon ab dem 6. Lebensmonat an. Seit Juli 2016 können Kinderärzte Kinder schon ab dem sechsten Lebensmonat an einen Zahnarzt überweisen und dies im gelben Untersuchungsheft dokumentieren.

Wie können Pflegebedürftige behandelt werden?

Menschen mit Behinderung oder pflegebedürftige Menschen haben oft große Schwierigkeiten, die eigenen oder die dritten Zähne gut zu pflegen oder regelmäßig zum Zahnarzt zu gehen.

Wer nicht selbst eine Praxis aufsuchen kann, hat einen gesetzlichen Anspruch auf eine aufsuchende zahnmedizinische Betreuung, und zwar sowohl zu Hause als auch im Pflegeheim.

Der Zahnarzt untersucht Zähne und Zahnfleisch, kann Zahnbelag entfernen, bei Bedarf Prothesen anpassen oder reparieren und Druckstellen behandeln. Was darüber hinausgeht, muss in der Praxis gemacht werden. Hierfür übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Fahrtkosten, Voraussetzung ist in der Regel eine Verordnung des Hausarztes. Als Eigenanteil bezahlen Patienten zehn Prozent der Kosten je Fahrt, jedoch mindestens fünf und höchstens zehn Euro. Bei privat Versicherten richtet es sich nach dem jeweiligen Tarif, was die Krankenversicherung bezahlt.

Durch eine Rahmenvereinbarung zwischen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen können pflegebedürftige Patienten in Heimen seit April 2014 vor Ort betreut werden. Für gut 20 Prozent der Pflegeheime lagen laut Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung bis Ende 2015 solche Kooperationsverträge vor.

Seit 19. Oktober 2017 ist in einer neuen Richtlinie geregelt, auf welche konkreten zahnärztlichen Leistungen Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen einen Anspruch haben. Diese Richtlinie wird aber noch vom Bundesgesundheitsministerium geprüft und soll zum 1. Juli 2018 in Kraft treten.

Dies sind die wichtigsten geplanten Leistungen für Pflegebedürftige, die gesetzlich krankenversichert sind:

  • Erhebung des Mundgesundheitsstatus: Einmal im Kalenderjahr beurteilt der Zahnarzt den Zustand der Zähne, des Zahnfleischs, der Mundschleimhäute sowie des Zahnersatzes.
  • Erstellung eines individuellen Mundgesundheitsplans: Einmal im Kalenderjahr bespricht der Zahnarzt mit dem Patienten Empfehlungen zur Zahnhygiene, zur Fluoridanwendung, zur zahngesunden Ernährung sowie der Verhinderung oder Linderung von möglicher Mundtrockenheit.
  • Aufklärung zur Mundgesundheit: Einmal im Kalenderjahr erläutert der Zahnarzt dem Versicherten und gegebenenfalls helfenden Angehörigen oder Unterstützungspersonen die empfohlenen Maßnahmen und kann sie auch praktisch demonstrieren. Das soll zeitnah zum Mundgesundheitsplan geschehen.
  • Entfernung harter Zahnbeläge: Zweimal pro Jahr, also einmal im Halbjahr, haben gesetzlich versicherte Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen Anspruch auf die Entfernung harter Zahnbeläge. Für alle anderen Kassenpatienten gilt dieser Anspruch nur einmal im Kalenderjahr.

 

Mehr zum Thema:

Patienteninformation zum Zahnarztbesuch während der Schwangerschaft von der deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

Antworten auf häufige Fragen zur Entwicklung und Pflege von Zähnen bei Kindern auf der Website der Bundeszahnärztekammer (BZÄK)

Richtlinie zur Verhütung von Zahnerkrankungen bei Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung; Pressemitteilung des G-BA, Stand: Oktober 2017

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz BMJV