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Alle Kassenleistungen der Zahnmedizin im Überblick

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bis auf wenige Ausnahmen gibt es immer eine mögliche Zahnbehandlung, die zu 100 % von den gesetzlichen Kassen finanziert wird.
  • Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen das, was medizinisch notwendig ist. Kostenpflichtige Zusatzangebote beinhalten oft nur einen ästhetischen Mehrwert und weniger einen zusätzlichen medizinischen Nutzen.
  • Einige Kassenleistungen müssen vor Behandlungsbeginn bei der Krankenkasse schriftlich beantragt werden.
Patientin zeigt ihre Krankenversichertenkarte vor
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Zahnvorsorge

Für Erwachsene bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen zwei zahnärztliche Kontrolluntersuchungen im Jahr und eine Zahnsteinentfernung, d.h. die Entfernung harter und weicher Zahnbeläge. Alle zwei Jahre übernehmen die Krankenkassen die Kosten einer Früherkennung von Parodontitis.

Bei Kindern zwischen dem 6. und 18. Lebensjahr werden zwei zahnärztliche Kontrolluntersuchungen bezahlt sowie eine kariesprophylaktische Auffüllung von Zahnfurchen (Fissuren Versiegelung) der beiden bleibenden Backenzähne vor den Weisheitszähnen. Zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen.

Viele Krankenkassen beteiligten sich zudem mit Zuschüssen an der kostenpflichtigen Professionellen Zahnreinigung.

Mehr Infos: Welche Vorsorge zahlt die Krankenkasse?

Zahnfüllungen

Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten im Frontzahnbereich sogenannte Komposit-Füllungen aus zahnfarbenem Kunststoff und im Seitenzahnbereich Amalgamfüllungen. Wer eine Amalgam-Allergie nachweisen kann, erhält auch im Seitenzahnbereich eine kostenlose Kunststofffüllung.

Selbst wenn sich Patienten für eine kostenpflichtige Füllung entscheiden, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen immer noch die Kosten der gesetzlichen Alternative, d.h. der Patient muss lediglich die Differenz zwischen zuzahlungsfreier Kassenvariante und kostenpflichtigen Leistung zahlen.

Bei Mängeln an den Füllungen, an denen der Patient keine Schuld trägt, übernehmen die gesetzlichen Kassen eine zweijährige Gewährleistungsfrist. Der Zahnarzt muss den Fehler kostenlos nachbessern oder eine komplett neue Füllung einsetzen.

Mehr Infos: Karies - was zahlt die Krankenkasse?

Wurzelbehandlungen

Zum Leistungsumfang der Krankenkasse gehört die Wurzelbehandlung als auch die Entfernung von Wurzelspitzen (Resektion) im Front- und Seitenzahnbereich, sofern der betroffene Zahn als erhaltungswürdig eingestuft wird. Das Reinigen, Befüllen und Verschließen der Wurzelkanäle sind erstattungsfähige Leistungen einer Wurzelkanalbehandlung.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Wurzelkanalbehandlung ist, dass der Wurzelkanal vor der eigentlichen Behandlung exakt vermessen wird. Die Standardmethode, die von den Kassen bezahlt wird, ist die Bestimmung der Länge anhand von Röntgenaufnahmen.

Mehr Infos: Wurzelbehandlung - was zahlt die Krankenkasse?

Behandlung von Parodontitis

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten, wenn eine behandlungsbedürftige Parodontitis vorliegt. Das bedeutet, dass eine Zahnfleischtaschentiefe von 3,5 mm oder mehr besteht. Voraussetzung für eine Kostenübernahme ist eine Vorbehandlung und ein schriftlicher Antrag an die Krankenkasse. Hierzu erstellt der Zahnarzt einen Heil- und Kostenplan, den der Patient zur Prüfung und Genehmigung bei seiner Kasse einreicht. Im Rahmen der Vorbehandlung übernehmen Krankenkassen die Kosten der Entfernung von Zahnstein und anderen Reizfaktoren, sofern diese Leistung im laufenden Kalenderjahr nicht schon einmal vom Zahnarzt erbracht wurde. Die Anleitung zur richtigen Mundpflege, die ebenfalls zur verpflichtenden Vorbehandlung gehört, müssen Patienten selbst bezahlen.

Mehr Infos: Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse bei Parodontitis-Behandlungen?

Behandlung von Zahnfehlstellungen (Kieferorthopädie)

Bei Kindern bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres prüft der Kieferorthopäde anhand von fünf kieferorthopädischen Indikationsgruppen, kurz KIG, die Schwere der Zahnfehlstellung. Ab KIG 3 tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Behandlung. Zum konkreten Leistungsumfang gehört je nach Bedarfsfall entweder eine herausnehmbare Spange aus Kunststoff mit Metallbügeln oder eine feste Spange mit Edelstahl-Brackets.

Die Krankenkasse übernimmt auch die Kosten für die sogenannte Retentionsphase ("Stabilisierungsphase"), das heißt, wenn es darum geht, das erreichte Ergebnis für die Zukunft zu sichern. Bei Erwachsenen wird eine kieferorthopädischen Behandlung nur bei schweren Kieferfehlstellungen übernommen, die zusätzlich auch kieferchirurgisch behandelt werden müssen.

Bei Kindern müssen die Eltern zunächst 20% der Kosten der gesetzlichen Behandlung selbst bezahlen, bekommen diese aber bei erfolgreichem Abschluss der Behandlung ebenfalls erstattet. Sind zwei oder mehrere Kinder gleichzeitig in kieferorthopädischer Behandlung, müssen die Eltern lediglich mit 10% in Vorleistung treten.

Mehr Infos: Kieferorthopädie, was zahlt die Krankenkasse?

Zahnersatz

Bei Zahnersatz gelten andere Regeln als in der übrigen Zahnversorgung.

Die Krankenkasse beteiligt sich an der Zahnersatzbehandlung mit einem sogenannten Festzuschuss. Ausgangspunkt für den Zuschuss ist das Untersuchungsergebnis, der sogenannte Befund. Für jeden Befund ist eine Regelversorgung (Standardtherapie) als medizinisch notwendig definiert. Von den Kosten dieser Regelversorgung trägt die Krankenkasse immer 50 %, auch als Festzuschuss bezeichnet. Den Rest der Kosten hat der Patient zu übenehmen. Ist eine Krone oder Brücke im Seitenzahnbereich nötig, ist z.B. Nicht-Edelmetall die Regelversorgung.

Mehr Infos: Eigenanteil und Festzuschuss beim Zahnersatz.

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz BMJV