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Kieferorthopädie bei Kindern: Ergebnisse unserer Umfrage

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Über 80% der befragten Eltern werden teure Zusatzleistungen angeboten. Die meisten Leistungen summieren sich schnell auf 500 – 2.000€.
  • Kieferorthopäden stellen kostenpflichtige Leistungen häufig besonders positiv dar. Eltern fühlen sich gedrängt, einer teuren Behandlung zuzustimmen.
  • Während privatärztliche Leistungen besonders angepriesen werden, ist die Aufklärung über eine kostenfreie Behandlung bei medizinischer Notwendigkeit oft nur unzureichend.
Lächelndes Mädchen mit lila Brille und Zahnspange
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Wann gehen Eltern mit ihrem Nachwuchs zum Kieferorthopäden?

Die Verbraucherzentrale wollte mehr erfahren über Aufklärung und Angebot von Privatleistungen bei der Kieferorthopädischen Behandlung von Kindern. In einer nicht repräsentativen Befragung haben 145 Eltern über diese Seite unsere Fragen beantwortet.

Der Erstkontakt zum Kieferorthopäden findet in 2 von 3 Fällen auf explizites Anraten des Zahnarztes statt. Bemerkenswert: immerhin 34% alle Eltern vereinbaren einen solchen Termin selbstständig ohne den Weg über den Hauszahnarzt.

Aus Sicht der Eltern führten in 60% der Fälle ästhetische Gründe zu einem Ersttermin. Das heißt, die Kinder haben keine Schmerzen oder Probleme beim Sprechen/Kauen/Beißen/Atmen, sondern ihr Gebiss könnte einfach schöner aussehen: zum Beispiel ohne schiefe Zähne, Lücken oder vorstehende Zähne.

Der Kieferorthopäde kann dies besser beurteilen: er teilt die Zahnfehlstellungen der Kinder in fünf Schweregrade ein, die sogenannten Kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG). Was die meisten Eltern nicht wissen: eine Spangen-Behandlung wird von der Krankenkasse als medizinisch notwendig angesehen und die Kosten vollständig übernommen, wenn erhebliche Beeinträchtigungen vorliegen (KIG 3, 4 und 5).

Warum willigen Eltern in Zusatzleistungen ein?

Ein weiteres Ergebnis unserer Umfrage: über 80% der Eltern wurden private Zusatzleistungen angeboten. Dabei wurden mehr als der Hälfte der Eltern Leistungen zwischen 500€ und 2.000€ als sinnvoll empfohlen, insbesondere hochelastische Bögen und spezielle Brackets. Wichtig für die Entscheidung zu einer Zusatzleistung ist die positive Darstellung und Empfehlung durch den Kieferorthopäden. 55% der Eltern antworteten, dass ihnen die kostenpflichtigen Privatleistungen besonders positiv dargestellt wurden.

Oft fühlen Eltern sich regelrecht bedrängt, einer teuren Versorgung zuzustimmen. Fast einem Drittel (28%) der unter Druck gesetzten Eltern wurden privatärztliche Angebote über 2000€ gemacht. Zugleich gibt über die Hälfte dieser Eltern an, dass Sie nicht über die Leistungen der Krankenkasse und damit über ihr Recht auf kostenfreie Behandlung ihres Kindes aufgeklärt wurden.

Elternaufklärung verbesserungswürdig

Fazit: unsere Umfrage weist einmal mehr auf den Zusammenhang zwischen unzureichender oder beeinflussender Aufklärung und der Inanspruchnahme teurer kieferorthopädischer Zusatzleistungen hin. Eltern werden zu wenig aufgeklärt über ihr Recht auf kostenfreie Behandlung ihrer Kinder bei vorliegender medizinischer Notwendigkeit.

 

Mehr zum Thema:


Barmer-Studie "Kieferorthopädie", 2016

DAK-Studie "Kieferorthopädische Versorgung", 2015

hkk-Studie "Kieferorthopädische Behandlung von Kindern und Jugendlichen", 2012

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz BMJV