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Implantate können auch Risiken und Nebenwirkungen haben

Das Wichtigste in Kürze:

  • Implantate werden auf Internetseiten von Zahnärzten häufig sehr positiv dargestellt, Risiken eher selten thematisiert.
  • Patienten mit Risikofaktoren brauchen eine besonders ausführliche Aufklärung durch den Zahnarzt.
  • Zusatzuntersuchungen und Folgebehandlungen bei Komplikationen müssen Patienten ebenso privat bezahlen wie die Implantat-Behandlung selbst.
Grafik: Implantat als künstliche Zahnwurzel
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Reißerische Werbung für Implantate

Vermutlich mehr als eine Million Zahnimplantate werden pro Jahr in Deutschland eingesetzt. In der öffentlichen Wahrnehmung spielen Implantate eine wichtige Rolle, sie stehen als Synonym für die moderne Zahnmedizin und werden in der Werbung offensiv angepriesen.

Die Verbraucherzentralen analysierten in einer nicht repräsentativen Untersuchung bundesweit über 100 Webseiten auf Werbeaussagen zu Implantaten und Hinweisen zu Risiken. Dabei fällt auf: viele Homepages beschreiben eine Implantat-Behandlung entweder als äußerst risikoarm, schonend, problemlos oder sogar unverzichtbar. Aber was ist mit den Risiken?

Welche Risiken gibt es?

Deutlich seltener werden in der Öffentlichkeit die Risiken von Zahnimplantaten thematisiert. Implantate werden im Knochen verankert. Es ist also ein chirurgischer Eingriff nötig, bei dem Nerven, Blutgefäße oder Nebenzahnwurzeln verletzt werden können. Positioniert der Zahnarzt die Schraube nicht richtig, kann das Nachbarzähne schädigen oder die Versorgung mit Zahnersatz erschweren.

Meist wird bei Implantaten mit einer langen Lebensdauer geworben. So sind nach zehn Jahren noch etwa 98 Prozent der Implantate im Kiefer. Das heißt aber nicht, dass es keine Komplikationen geben kann. Eine der häufigsten Komplikation ist die Periimplantitis, die meist erst nach mehreren Jahren auftritt wird. Diese Entzündung des Gewebes um das Implantat herum verläuft schnell, oft unbemerkt, ist schwer zu behandeln und führt zum Knochenabbau. Laut Studien ist jedes fünfte Implantat (20-22%) davon betroffen.

Die wichtigsten Risikofaktoren für Komplikationen sind bekannt: eine bereits vorliegende Parodontitis (Parodontose), schlechte Mundhygiene, ein schlecht eingestellter Diabetes, Rauchen sowie bestimmte Arzneimittel wie etwa Bisphosphonate, die bei Krebserkrankungen oder Osteoporose verschrieben werden. In solchen Fällen sollten Patienten mit ihrem Zahnarzt prüfen, ob Implantate dennoch möglich sind.

Folgekosten einer Implantat-Behandlung

Zudem sind Implantate eine reine Privatleistung. Die Krankenkasse bezahlt zwar einen geringen Festzuschuss für Zahnersatz, aber der gesamte Eingriff wird nach der privaten Gebührenordnung der Zahnärzte (GOZ) abgerechnet. Treten Komplikationen auf, müssen gesetzlich versicherte Patienten diese selbst bezahlen. Ebenso wie die angepriesenen Begleituntersuchungen, die dem Patienten "größtmögliche Sicherheit" vermitteln sollen: modernste bildgebende Verfahren und computergestützte Navigation lassen die Kosten schnell ansteigen.

In eine Online-Befragung der Verbraucherzentrale NRW unter 600 implantat-behandelten Patienten zeigten sich wesentliche Mängel in der Aufklärung einer Implantat-Behandlung. Etwa jedem Dritten ist unbekannt, dass persönliche Risikofaktoren wie Rauchen, Zähneknirschen oder schlechte Mundhygiene gegen Implantate sprechen können. Und fast jeder Dritte weiß auch nicht, dass Folgekosten bei Komplikationen selbst zu zahlen sind. Zwar würden sich insgesamt gut 90% der Befragten wieder für Implantate entscheiden, aber 34% davon würden sich vorher mehr über Risiken und Kosten informieren.

Download: Marktcheck Implantate

Daher unser Tipp: Bestehen Sie darauf, dass Ihr Zahnarzt Sie ausführlich berät - zu Behandlungsalternativen der Krankenkasse wie einer Brücke oder einer Prothese, zu Ihren individuellen Risiken einer Implantat-Behandlung und zu den Gesamtkosten des Eingriffs!

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz BMJV