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Parodontitis: Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine Parodontitis-Behandlung ist aufwendig, langwierig und teilweise selbst zu bezahlen. Aber sie beugt Zahnverlust vor.
  • Viele Menschen sind betroffen: Bei den 35- bis 44-Jährigen hat jeder zweite (52 Prozent) eine parodontale Erkrankung, und das Risiko steigt mit dem Alter. 
  • Eine Parodontitis-Therapie muss bei der Krankenkasse beantragt werden.
  • Die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten für eine Früherkennung (PSI genannt, alle zwei Jahre), für Teile der Vorbehandlung und für die aktive Therapie.
  • Vor allem die langfristige Nachsorge ist bislang privat zu bezahlen.
Patientin überreicht ihre Versichertenkarte von der Krankenkasse der Zahnarzthelferin in der Praxis.
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Was zahlt die Kasse bei der Vorbehandlung?

Vorbehandlung: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine allgemeine Kontrolluntersuchung pro Halbjahr und eine Zahnsteinentfernung im Jahr. Zudem ist der Parodontale Screening Index (PSI) als Früherkennungsuntersuchung alle zwei Jahre Kassenleistung. Seit 2004 ist der Parodontale Screening Index eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Mit einer kleinen Spezial-Sonde wird gemessen, ob eine behandlungsbedürftige Parodontitis vorliegt. Die Einstufung reicht von Code 0 (Bild 1: gesundes Zahnfleisch) bis Code 4 (Bild 4: schwere Parodontitis, Taschentiefe sechs Millimeter oder mehr.

Parodontale Screening Index: Messung von Zahnfleischtaschen zur Diagnose einer Parodontitis
Illustration: Parodontale Screening Index zur Diagnose von Parodontitis. Mit einer Spezial-Sonde werden die Zahnfleischtaschen gemessen. Die Einstufung reicht von Code 0 gesundes Zahnfleisch bis Code 4 schwere Parodontitis (Taschentiefe von sechs Millimeter oder mehr).
Illustration: Alexilusmedical / Fotolia.com

Die Vorbehandlung umfasst die Anleitung zur richtigen Mundhygiene sowie die Entfernung von Reizfaktoren und Zahnstein. Die Kassen zahlen die Beseitigung überstehender Kronenränder, Karies- und Wurzelbehandlungen und das Ziehen nicht erhaltungswürdiger Zähne.

Eine professionelle Zahnreinigung (PZR) kann eine sinnvolle Vorbehandlung sein, ist aber keine verpflichtende Voraussetzung für eine Parodontitis-Therapie. Der Zahnarzt darf die Behandlung nicht von einer PZR abhängig machen. Statt einer umfassenden und teuren PZR kann neben einer Zahnsteinentfernung ergänzend die alleinige Entfernung harter und weicher Beläge angefragt werden. Diese Entfernung wird privat abgerechnet. In der privaten Gebührenordnung existieren dafür die GOZ-Ziffern 4050 und 4055.

Die systematische Parodontitistherapie, also ein geschlossenes Vorgehen (nicht-chirurgisch) ist angezeigt bei Zahnfleischtaschen ab 3,5 Millimeter Tiefe. Falls nötig zahlen die Kassen eine zusätzliche systemische Antibiotika-Therapie.

Wann bezahlt die Kasse die Hauptbehandlung?

Eine Parodontitis-Behandlung muss bei der Krankenkasse beantragt werden. Dafür erhebt der Zahnarzt den Parodontalstatus mit dem PSI, das heißt, er misst die Tiefe der Zahnfleischtaschen an mehreren Punkten pro Zahn, und erstellt einen Heil- und Kostenplan. Ebenso werden Risikofaktoren (Rauchen, Diabetes o.ä.) eingetragen. Auch Röntgenaufnahmen sind notwendig, die in der Regel nicht älter als sechs Monate sein sollten.

Der Antrag wird zunächst für eine geschlossene Parodontitisbehandlung gestellt. Misst der Zahnarzt auch nach einer Behandlung Zahnfleischtaschen mit einer Tiefe von über 5,5 Millimetern, kann eine offene, chirurgische Parodontitisbehandlung beantragt werden. In Ausnahmefällen kann das offene Vorgehen auch ohne vorheriges geschlossenes Vorgehen erfolgen. Der Antrag bei der Krankenkasse wird nach der Vorbehandlung eingereicht. Die Genehmigung ist ein halbes Jahr gültig.

Was geschieht bei Ablehnung der Kostebübernahme? Hat die Kasse Bedenken, kann sie einen Gutachter einschalten. Bei einer Ablehnung kann der Zahnarzt Einspruch einlegen und ein Obergutachten beantragen.

Der PSI kann auch bei Kindern und Jugendlichen als Kassenleistung abgerechnet werden, etwa bei entsprechenden Vorerkrankungen oder wenn Eltern oder Geschwister eine schwere Parodontitis haben (nicht im reinen Milchgebiss).

Welche Kosten der Nachbehandlung werden übernommen?

Die Krankenkasse bezahlt die regelmäßige Kontrolle und die Entfernung von neuen Belägen sowie das Messen der Zahnfleichtaschen.

Tipp: Tägliche Zahnreinigung ist wichtig, denn der Erfolg der Paradontitis-Behandlung hängt stark von der Mitarbeit des Patienten bei der Mundhygiene ab.

 

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Kosten-Ärger bei Parodontitis-Behandlung - Infos auf dem Portal IGeL-Ärger.de der Verbraucherzentralen

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz BMJV