Wie wird eine Parodontitis behandelt?

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Erfahren Sie hier wie eine Parodontitis entsteht und welche drei Behandlungsschritte im Einzelfall notwendig sind.
Parodontaler Screening Index (PSI): Messung der Tiefe von Zahntaschen mit einer Messsonde zur Diagnose der Paradontitis

Erfahren Sie hier wie eine Parodontitis entsteht und welche drei Behandlungsschritte im Einzelfall notwendig sind.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Parodontitis ist eine Entzündung, die durch Bakterien entsteht.
  • Anzeichen sind Zahnfleischbluten, Zahnbelag und zurückgehendes oder geschwollenes Zahnfleisch.
  • Da eine Parodontitis nicht schmerzhaft ist, wird sie oft erst spät erkannt.
  • Für diese Volkskrankheit gibt es seit Juli 2021 eine neue Behandlungsrichtlinie.
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Was ist eine Parodontitis?

Bei der Parodontitis handelt es sich um bakterielle Entzündungen, die z. B. im Zahnfleisch entstehen, wenn sich Essensreste beim Zähneputzen nicht aus den Zahnfleischtaschen entfernen lassen. Ursache ist meist eine schlechte Mundhygiene, aber Parodontitis ist eine multifaktorielle Erkrankung. Risikofaktoren sind etwa das Rauchen, eine genetische Disposition oder ein Diabetes. Eine Parodontitis ist anfangs nicht schmerzhaft und wird häufig spät entdeckt. Unbehandelt können zunächst Blutungen und Eiterungen auftreten, langfristig führt sie zum Knochenabbau –und Zahnverlust.

Zahnmediziner:innen unterscheiden eine leichte, eine mittlere und eine schwere Form der Parodontitis. Betroffen ist jeder zweite Erwachsene. Parodontale Erkrankungen sind der Hauptgrund für den Verlust von Zähnen bei Erwachsenen. Nach aktuellen Berechnungen haben in Deutschland rund 11,5 Millionen Erwachsene eine schwere parodontale Erkrankung. Durch die Therapie kann die Krankheit nicht rückgängig gemacht, sondern nur zum Stillstand gebracht werden.

Grafik: Stufenweise Entstehung einer Parodontitis: 1. gesunder Zahn, 2. Zahnfleischentzündung, 3. Parodontitis

Illustration: Stufenweise Entstehung einer Parodontitis: 1. gesunder Zahn, 2. Zahnfleischentzündung, 3. Parodontitis

(Illustration: bilderzwerg / Fotolia.com)

Parodontitis-Behandlung: Was wird gemacht?

Zum 1. Juli 2021 ist eine neue Richtlinie zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderen Parodontal-Erkankungen (PAR-Richtlinie) in Kraft getreten. Darin ist festgelegt, dass Zahnärzte und Zahnärztinnen vor der Therapieplanung das Stadium und den Grad der Erkrankung erheben und die Risikofaktoren, wie z. B. Rauchen oder Diabetes mellitus, abklären müssen. Nach der Diagnose erfolgt der Antrag bei der Krankenkasse. Daran schließt sich das Aufklärungs- und Therapiegespräch mit einer Mundhygieneschulung an, wobei die weiteren möglichen Schritte besprochen werden.

Je nach Stadium und Grad der Erkrankung können eine antiinfektiöse Therapie, eine Antibiotikatherapie oder chirurgische Eingriffe notwendig sein. Die Fortschritte der Therapie müssen im Rahmen der Befunderhebung (Befundevaluation) kontrolliert werden. Zur Sicherung der Ergebnisse schließt sich in regelmäßigen Abständen eine Unterstützende Parodontitis-Therapie an. Ein Bestandteil der Nachsorge ist die Zahnreinigung. Damit gehört diese nicht mehr zur Vorbehandlung.

Hier finden Sie die einzelnen Schritte einer Parodontitis-Behandlung im Überblick:

  • Anamnese, Befund, Diagnose und Dokumentation (Parodontalstatus) und Behandlungsbedürftigkeit

Voraussetzung für die Parodontitis-Behandlung ist die parodontitisspezifische Anamnese, der klinische Befund, die Diagnose und die vertragszahnärztliche Dokumentation. Je nach Diagnose stellen Zahnärzte und Zahnärztinnen dann die Behandlungsbedürftigkeit der Parodontitis fest.

  • Begutachtung und Genehmigung

Damit die Kosten übernommen werden, muss die Krankenkasse die Durchführung der Parodontitis-Behandlung vorher genehmigen. Dafür wird ein Antrag bei der Krankenkasse gestellt.

  • Parodontologisches Aufklärungs- und Therapiegespräch

Im Gespräch erhalten Patient:innen Informationen über den Befund und die Diagnose. Weiterhin erörtern Zahnärzte und Zahnärztinnen die jeweiligen Therapieschritte der Parodontitis-Behandlung sowie gegebenenfalls Therapiealternativen. Bestandteil des Gesprächs ist zusätzlich eine Aufklärung über die Bedeutung eines gesundheitsbewussten Verhaltens, um Risikofaktoren wie zum Beispiel Rauchen zu reduzieren. Zudem erhalten Patient:innen Informationen über Wechselwirkungen mit anderen Erkrankungen.

  • Konservierend-chirurgische Maßnahmen

Diese Maßnahmen zur Zahnerhaltung werden je nach Indikation vor oder auch im zeitlichen Zusammenhang mit der Parodontitistherapie durchgeführt.

  • Patientenindividuelle Mundhygieneunterweisung

Im zeitlichen Zusammenhang mit der antiinfektiösen Therapie erfolgt die patientenindividuelle Mundhygieneunterweisung. Diese beinhaltet zum einem die Mundhygieneaufklärung, dabei werden auch die Zahnpflegegewohnheiten der Patient:innen festgestellt. Zum anderen wird der Entzündungszustand des Zahnfleisches bestimmt und Plaque angefärbt. Abschließend klären Ärzte und Ärztinnen Patient:innen über die geeignete individuelle Mundhygiene auf und zeigen ihnen mögliche Hilfsmittel und deren Anwendung.

  • Antiinfektiöse Therapie

Die Antiinfektiöse Therapie ist ein geschlossenes Vorgehen, wobei alle erreichbaren weichen und harten Beläge, Biofilme und Konkremente (Zahnstein unterhalb des Zahnfleisches) bei Zahnfleischtaschen mit einer Sondierungstiefe von vier Millimetern und mehr entfernt werden.  

  • Adjuvante Antibiotikatherapie

Falls notwendig, können bei besonders schweren Formen der Parodontitis, welche mit einem schnellen Attachmentverlust (Auflösung des Zahnhalteapparats) einhergehen können, systematisch wirkende Antibiotika in zeitlichen Zusammenhang mit der antiinfektiösen Therapie verordnet werden.

  • Befundevaluation

In drei bis sechs Monaten nach Abschluss der antiinfektiösen Therapie erfolgt eine erste Evaluation der parodontalen Befunde. Durch den Vergleich mit den Befunddaten können das weitere Vorgehen zielgenau geplant und weitere behandlungsbedürftige Zahnfleischtaschen ermittelt werden.

Falls notwendig kann sich noch eine chirurgische Therapie samt erneuter Befundevaluation anschließen. Falls nicht, erfolgt direkt die Unterstützende Parodonitistherapie.

  • Chirurgische Therapie

Ein chirurgischer Eingriff an den Zahnfleischtaschen kann bei einer Sondierungstiefe von sechs Millimetern und mehr notwendig werden. Ob ein solches Verfahren durchgeführt werden soll, wird zusammen mit den Patient:innen erörtert und entschieden.

  • Befundevaluation

In drei bis sechs Monaten nach Abschluss der chirurgischen Therapie erfolgt eine erneute Evaluation der parodontalen Befunde.

  • Unterstützende Parodontitis-Therapie (UPT)

Versicherte haben für zwei Jahre einen Anspruch auf die Unterstützende Parodontitis-Therapie. Die Häufigkeit zur Inanspruchnahme ist individuell und richtet sich nach dem Grad der festgestellten Parodontal-Erkrankung. Die Nachsorge kann bei Bedarf verlängert werden, in der Regel um sechs Monate.

Die UPT umfasst die Mundhygienekontrolle und sofern notwendig eine erneute Mundhygieneunterweisung. Weiterhin reinigen Zahnärzte und Zahnärztinnen alle Zähne von Biofilmen und Belägen („professionelle mechanische Plaquereduktion“, PMPR) und messen und reinigen falls nötig die Zahnfleischtaschen. Ab dem zweiten Jahr ist eine jährliche Untersuchung des Parodontalzustandes Kassenleistung.

Mehr zum Thema:

https://www.dgparo.de/patientenportal 

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