Mehr Kassenleistung für Parodontitis-Patienten?

Stand:

Ob die gesetzlichen Krankenkassen in Zukunft einen größeren Teil der Parodontitis-Therapie bezahlen, bleibt unklar.

Das Wichtigste in Kürze:

  • 2013 hatten Patientenvertreter einen Antrag auf Überprüfung der bestehenden Regelung im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gestellt, dem obersten Entscheidungsgremium des Gesundheitssystems..
  • Bislang übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten nur für die Hauptbehandlung, also für die Therapie einer akuten Parodontitis. Vorbehandlungen werden nur sehr eingeschränkt bezahlt, die oft jahrelange Nachsorgegar nicht. Das ändert sich ab Mitte 2021.
  • Damit entfällt voraussichtlich ab dem 3. Quartal 2021 die Hürde, vor Beginn der systematischen Parodontitisbehandlung eine professionelle Zahnreinigung selbst zu zahlen.
  • Ziel ist nun vor allem eine aufklärende und motivierende Unterstützung der Patienten.
Illustration: Stufenweise Entstehung einer Parodontitis: 1. gesunder Zahn, 2. Zahnfleischentzündung, 3. Parodontitis
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Was ändert sich 2021?

Parodontalerkrankungen sollen künftig besser diagnostiziert und behandelt werden. Die Diagnostik („Befundung“) ist nun in einer neuen verbindlichen Richtlinie für die Zahnärzte geregelt. Daraus ergeben sich die Behandlungsempfehlungen. Die gesetzlichen Kassen übernehmen bei der Parodontitistherapie zukünftig auch die Vor- und Nachbehandlung statt nur die Behandlung einer akuten Parodontitis. Die Nachbehandlung, auch Unterstützende Parodontitistherapie (UPT) genannt, wird für zwei Jahre ab der Akutbehandlung bezahlt und kann bei Bedarf verlängert werden. Das gilt voraussichtlich ab dem dritten Quartal 2021. Bis dahin können die bisherigen Leistungen zur Parodontitisbehandlung in Anspruch genommen werden.

Was hatte das IQWiG untersucht?

Im März 2015 wurde das Institut vom obersten Beschlussgremium im Gesundheitssystem, dem Gemeinsamen Bundesausschuss, mit der Untersuchung beauftragt, welche Vor- und Nachteile verschiedene Behandlungen bei entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodontopathien) haben.

Zahnärzte bieten nicht nur mechanische und chirurgische Verfahren an, um die Zahnfleischtaschen zu reinigen, sondern auch photodynamische Verfahren, Laserbehandlungen oder Air-Polishing-Systeme. Für sechs Therapieansätze sah das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in seinem Abschlussbericht 2018 einen Hinweis oder Anhaltspunkte für einen (höheren) Nutzen.

2017 waren es nur zwei Therapieansätze gewesen, nämlich die geschlossene mechanische Therapie und die individuell angepasste Mundhygiene-Schulung. Damit blieb esvorerst dabei, dass die gesetzlichen Krankenkassen die eigentliche systematische Parodontitistherapie bezahlen, je nach Tiefe der Zahnfleischtaschen im offenen (chirurgischen) Verfahren oder im geschlossenen (nicht-chirurgischen) Verfahren, nicht aber Verfahren per Laser o.ä

 

Mehr zum Thema:


Pressemeldung des Gemeinsamen Bundesausschuss zur neuen Richtlinie

Pressemitteilung des IQWiG zum Abschlussbericht 2018

Abschlussbericht

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz BMJV