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Mehr Kassenleistung für Parodontitis-Patienten?

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine wissenschaftliche Überprüfung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) soll Klarheit bringen, ob Patienten zukünftig bei einer Parodontitis-Therapie mehr Geld von ihrer Krankenkasse erstattet bekommen.
  • Bislang übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten nur für die Hauptbehandlung. Vorbehandlungen werden nur sehr eingeschränkt bezahlt, die oft jahrelange Nachsorgegar nicht.
  • Laut IQWiG ist nur für zwei Verfahren bei der Parodontitisbehandlung ein Nutzen für die Patienten belegt: Für die Entfernung der Beläge aus den Zahnfleischtaschen und von den Wurzeloberflächen (sogenannte geschlossene mechanische Therapie) sowie für die individuelle Mundhygiene-Schulung.
Illustration: Stufenweise Entstehung einer Parodontitis: 1. gesunder Zahn, 2. Zahnfleischentzündung, 3. Parodontitis
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Was hat das IQWiG untersucht?

Im März 2015 wurde das Institut vom obersten Beschlussgremium im Gesundheitssystem, dem Gemeinsamen Bundesausschuss, mit der Untersuchung beauftragt, welche Vor- und Nachteile verschiedene Behandlungen bei entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodontopathien) haben.

Zahnärzte bieten nicht nur mechanische und chirurgische Verfahren an, um die Zahnfleischtaschen zu reinigen, sondern auch photodynamische Verfahren, Laserbehandlungen oder Air-Polishing-Systeme. Nur zur geschlossenen mechanischen Therapie und zu einer individuell angepassten Mundhygiene-Schulung gebe es "aussagekräftige Studiendaten, die relevante Unterschiede in den Behandlungsergebnissen zeigten", hieß es im Vorbericht des IQWiG im Januar 2017. In beiden Vergleichen zeigte sich, dass Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) danach weniger stark auftraten – ein "Anhaltspunkt für einen (höheren) Nutzen".

Was heißt das für Patienten?

Es bleibt vorerst dabei, dass die gesetzlichen Krankenkassen nicht alle Kosten übernehmen. Bezahlt wird derzeit die eigentliche systematische Parodontitis­therapie, je nach Tiefe der Zahnfleischtaschen im offenen (chirurgischen) Verfahren oder im geschlossenen (nicht-chirurgischen) Verfahren, sowie Teile der Vorbehandlung. Verfahren per Laser o.ä. werden weiterhin nicht von den Kassen übernommen. Vor allem die langfristige Nachsorge ist bislang privat zu bezahlen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss wird den endgültigen Bericht des IQWiG zur "Systematischen Behandlung von Parodontopathien" etwa Mitte 2017 erhalten. Ob auf Basis des Berichtes dann die bislang begrenzte Kassenleistung in der Parodontitis­therapie erweitert wird, erscheint weiterhin fraglich.

Ähnlich zurückhaltend fiel im Herbst 2016 die Nutzenbewertung des IQWiG zur Fluoridierung einzelner Milchzähne bei Karies im Anfangsstadium aus ("Isoliert applizierter Fluoridlack bei initialer Kariesläsion des Milchzahnes"). Das Institut untersuchte mittels Auswertung der vorhandenen Studien, ob Fluoridlacke, die lokal auf oberflächliche, erst beginnende Schäden am Zahnschmelz aufgetragen werden, den betroffenen Kindern Vorteile bieten. Allerdings fanden die Wissenschaftler keine Studien mit einem direkten Vergleich zwischen der Fluorid-Lackierung und einer alternativen oder Schein-Behandlung. Damit bleiben laut IQWiG Nutzen oder Schaden unklar.

 

Mehr zum Thema:


Vorbericht des IQWIG: Systematische Behandlung von Parodontopathien

Vorbericht des IQWIG: Fluoridlacke bei Schmelzkaries an Milchzähnen

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz BMJV